Erzählen kann helfen


 

Wir sind wieder in der Werkstatt!                     

 

 Endlich!

Jetzt nach wochenlangem Beschäftigungs-Verbot bist du endlich wieder in der Werkstatt und kannst arbeiten.

Vieles Gewohnte hat sich durch die Corona-Pandemie verändert und wird wohl auch noch längere Zeit anders ablaufen.

 Beispiele:

 Es braucht den körperlichen Abstand, besondere Hygiene –Maßnahmen, den Nasen-Mund-Schutz und vieles mehr. Manche Beschäftigte können auch noch nicht wieder arbeiten.

 

Auch als Frauen-Beauftragte und Vertrauens-Person bist du jetzt wieder gefragt.

In Krisen kann es helfen, sich zu erzählen, wie es einem geht: 

  • Wie habe ich die Zeit erlebt?
  • Was habe ich gut gemacht?
  •  Was macht mir jetzt Freude und Spaß?

 

 Deshalb schlage ich euch vor, miteinander ins Gespräch zu kommen,

den Kontakt zueinander wieder aufzubauen:

 

1. Idee:  So geht es uns im Team

 

 

Um die Arbeit als Frauen-Beauftragte wieder gut zu beginnen,  ist es sicherlich ganz hilfreich,
euch erst in eurem kleinen Team  - Frauen-Beauftragte +  Stellvertreterin + Vertrauens-Person - zu stärken.
Sprecht miteinander über eure Erfahrungen in den letzten Wochen:

  • Wie war die Zeit für euch?
  • Was war schwierig?
  • Was war vielleicht auch gut?
  • Wie ist es jetzt wieder für dich, in der Werkstatt zu sein?

 

 

2.  Idee:  So geht es den Frauen in der WfbM oder auch zuhause oder im Wohnheim

 

Die Frauen haben zuhause - allein in ihren Wohnungen, im Wohnheim oder bei Eltern und Angehörigen - vieles erlebt.

Auch da war sicherlich manches gut, manches auch ganz schön schwierig.

 

Überlegt, wie ihr gut in Kontakt zu den Frauen kommen könnt:

  • Könnt ihr mit einzelnen Frauen reden?
  • Oder könnt ihr ganz kleine Gruppen machen?
  • Vielleicht könnt ihr einen Brief an die Frauen schreiben, die noch zuhause sind.

 

       3.   Idee: Schreibt mir und uns, wie es euch und den Frauen geht

                                                 

Von einigen Frauenbeauftragten weiß ich aus Telefonaten, dass sie gerne wissen möchten,

 was denn die Frauen-Beauftragten in anderen Werkstätten machen und wie es ihnen geht.

 

                Schreibt mir ein E-Mail oder ruft mich an.

                Ich werde eure Erfahrungen dann hier veröffentlichen.

                Ich freu mich von euch zu lesen oder zu hören 

                                                      Anna


Aus Briefen, E-Mails und Telefonaten von und mit  Frauen-Beauftragten und Vertrauens-Personen:

 

Eindrücke seit September 2020

 

"Wir können uns glaube nicht beschweren.

Seit einiger Zeit sind auch die Risiko Gruppen da, die sich wochenweise abwechseln.

Das nehmen eigentlich alle gut an und klappt bis jetzt.

Ich kann bis auf Plakate gestalten, Sprechanruf Mi von 8 bis 9 Uhr und verteilen eine Positv Box die leider noch nicht so gut ankommt auf zu stellen.

Feiern ist auch nur gruppenintern bei uns möglich.

Wenn ich die Nachrichten anschaue wird mir schlecht.

Ich vermute das es noch lange dauert, bis normales Leben möglich ist.

Die Menschen haben es immer noch nicht kapiert und das ist traurig." (Birgit)

 

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 Wir Frauenbeauftragten und die Vertrauensperson sitzen gerade, seit Februar, wieder das erste Mal zusammen.

"Einige Werkstattratssitzungen fanden statt, an denen wir auch eingeladen waren.

Wir haben deine Seite angeschaut und möchten uns auch kurz äußern.

 

K.: Ich habe mit zwei Frauen aus anderen Werkstätten Kontakt per WhatsApp. Sie finden die Situation auch  nicht schön, weil sie auch wie ich nicht weiterkommen. Wir wünschen uns hoffentlich bald wieder ein persönliches Treffen. Die Frauen unserer Werkstatt werden im Moment leider schlecht unterstützt. (Personalmangel, Situation, viele sind noch zu Hause, man darf andere Arbeitsgruppen nicht betreten, in Pausen darf man auch nicht zusammen sein)

Die Situation zu Hause war für mich sehr beschissen. Ich habe jeden Tag die Werkstatt genervt,  bis ich irgendwann wieder ein paar Stunden arbeiten gehen durfte.

 

I.: Für mich war es ebenfalls langweilig und blöd zu Hause zu bleiben. Ich habe die Mitarbeiter auf der Wohngruppe genervt.

Ich war sehr froh, als ich wieder auf die Arbeit durfte.

Als Frauenbeauftragte konnte ich nichts arbeiten. Ich hatte keinen Computer und kein Internet.

Für mich war es sehr schwer zu verstehen, was da eigentlich los war.

 

S.: Für mich als Vertrauensperson gab es leider auch keine Möglichkeiten, mit den Frauen zusammenzuarbeiten, da die technischen Möglichkeiten gefehlt haben. Zudem hatten die anderen Sorgen und Themen mehr Priorität.

Das war sehr schade. Nun versuchen wir wieder langsam zu starten und machen ein paar Sitzungen."

 

Eindrücke von Mai bis Mitte Juni  2020

 Birgit schreibt:

Und plötzlich ist alles anders

 9 Wochen ist eine lange Zeit, die aber auch sehr schnell vergangen ist. Ich habe Sachen gemacht, die nicht so mein Ding ist.

Zum Beispiel was so weiter geschieht in der Politik.   Keine Freunde besuchen oder einladen, nicht shoppen gehen, Kino….. 

 

Meinen Geburtstag habe ich „ Gott sei Dank“  im engsten Familienkreis gefeiert. Meine Schwester und ihre Familie wohnen zwar zwei Häuser weiter, aber wir sehen uns als einen großen Haushalt. Sonst wäre meine Schwester wahrscheinlich durchgedreht mit den kleinen Kindern. Wir haben ihr viel geholfen. Nur mein Bruder durfte noch arbeiten. Meine Mutter arbeitet halbtags zweimal in der Woche. Mein Vater ist schon in Rente.

 

Diese Zeit ist fast wie Urlaub. Nur man darf nirgends hin, weil alles zu hat. Wir haben uns auch ein paar Mal was zum Essen bestellt oder uns ein Gewand schicken lassen ( was eigentlich auch nicht typisch für mich ist).

 

In dieser Zeit bin ich viel geradelt, sehr viel gelesen, gekocht, geputzt, bei mein Nichten gewesen… Hab es so gut es ging genossen. Hab in der Kirche Kerzen angezündet und für die Menschen gebetet oder gesungen. Gott sei Dank war ich in dieser Zeit nicht krank. Hab ein Zahnarzttermin sausen lassen, weil ich mich nicht traute wegen der Ansteckung.

 

Einkaufen mit der Maske ist echt blöd aber es hilft nichts! Auch wie der Friseur endlich wieder aufmachte, war das mit Maske echt anstrengend.   War auch oft bei meiner Oma, aber nur kurz. Sie leidet sehr und leidet noch immer unter der Krise. Leider baut sie auch schnell ab, wegen der Krise.  Ich kaufte oft für sie ein.     Feierten auch den Geburtstag von meiner kleinen Nichte.

Zwischendurch machte ich auch an Literaturwettbewerb mit. VIELLEICHT…

Bevor es wieder in die Arbeit ging, war ich Blutspenden, dass auch anderes war wie gewohnt. Nächste Mal hätte ich das 25 Mal gespendet!! Hoffe es klappt noch dieses Jahr.

Von der Arbeit bekam ich öfters einen Anruf wie es mir so ginge und was sich so tut in der Arbeit.

 

 

 Weitere Eindrücke aus E-Mails: 

 

 "Bei uns  sind seit dieser Woche ungefähr die Hälfte Mitarbeiter - Frauen und Männer  - im Haus."

 

"Seit letzter Woche arbeiten wenige externe Beschäftigte wieder in der Werkstatt. Das tut so gut, sie haben mir echt gefehlt.

Auch wenn es nur ein ganz kleiner Teil ist, aber es ist ein Anfang und ein Gefühl von Normalität.“

 

 "Leider ist es noch nicht ganz klar, wann die Frauenbeauftragten wieder in den Werkstätten arbeiten werden.

Das wird ganz individuell nach Vorerkrankungen und Arztattesten entschieden.

Im Moment gibt es noch keinen Starttermin.“

 

"Ich halte mit allen Mitgliedern telefonischen Kontakt, dass tut uns allen schon sehr gut.

 Bis wir wieder zur Normalität zurückkehren werden, werden sicherlich noch viele Wochen vergehen.“  

 

 "Bei uns läuft es gerade langsam an.

Die Frauenbeauftragte hatte in den letzten 2 Wochen gemeinsam mit den Werkstatträten

einige Sitzungen, da es sehr eingreifende Änderungen bei  uns in der Werkstatt gibt.

Sämtliche Gruppe wurden aufgelöst und neu zusammen gepuzzelt,

die Wohnheimbewohner kommen in eigene Gruppen und die anderen Gruppen werden

nach den Kleinbussen, Selbstfahrer und öffentlichen Bus eingeteilt.

Das ist für die Werkstattbeschäftigte sicherlich sehr heftig. Wir warten mal ab, wie sich das alles entwickeln wird.“

 

"In unserer Werkstatt arbeitet nur eine Notgruppe. D.h. die Arbeit als Frauenbeauftragte liegt noch still, die Frauenbeauftragten sind noch zu Hause.  Auch ist es unseren Frauen hier nicht möglich, von zu Hause aus online zu Netzwerken. Sie benötigen dafür unbedingt die Hilfe der Vertrauenspersonen und die technische Ausstattung. Beides ist im Moment noch nicht vorhanden und umsetzbar.“

 

"Die Corona Pandemie hat uns ja voll im Griff und wir wissen bis heute noch nicht genau wie wir wieder starten können,

vor allen Dingen wie es mit der Auftragslage aussieht.“